Wer ein Depot führt wie ein Museum für alte Bekannte, wird niemals echte Performance sehen. Ein Vergleich zwischen meinem alten Stand und der aktuellen Aufstellung zeigt: Ich habe weiter aufgeräumt . Damit setze ich mein Ziel von 2023 konsequent fort, das ich bereits im Frühjahr 2024 hier thematisiert habe: Fokussierung statt breiter Streuung.
Damals schrieb ich als Fazit:
Zuletzt bin ich auf einen tollen Beitrag (Active Patience) von Ian Cassel gestoßen und habe mich dort sehr gut wiedererkannt. Ich bin noch nicht am Ende meiner Entwicklung. Ich bin noch lange nicht so weit wie er. Einstieg in gute Gelegenheiten, aber dann mit voller Wucht traue ich mir noch nicht zu. Ich muss aber auch nicht super schnell sehr reich werden. Mir geht es gut. Aber ich möchte mittelfristig etwas mehr in seine Richtung gehen, einfach um meine Erfolge auch in der Gesamtrendite besser erkennen zu können. Außerdem habe ich dann auch weniger Arbeit durch das „Check“, also das überprüfen und verfolgen der Positionen im Depot. Deswegen wird es noch die oder andere Transaktion in den nächsten Tagen und Wochen für Positionen geben, die ich auf meine jeweiligen Investcases abklopfe.

Inhaltsverzeichnis
1. Die Hinrichtung der Bremsklötze und mein aktuelles Portfolio
Im alten Depot hingen noch zu viele Werte herum, die zwar jeder kennt, die aber mein Momentum gekillt haben, und die Opportunitätskosten mir einfach zu hoch wurden.
- Microsoft & Siemens: Ich hatte diese Werte fast 9 Jahre lang. Aber es ist, wie ich schon mal geschrieben habe: Entweder man ist voll überzeugt und stockt konsequent auf, oder man muss über Opportunitätskosten sprechen. Und die waren mir jetzt einfach zu hoch. Wenn die Performance nicht mehr passt, fliegen sie – egal wie lange sie schon dabei waren.
- Qualcomm: Hier war mein Geld gefangen. Ich bin von der Firma fundamental zwar sehr überzeugt, aber solange die Aktie vom Kurs her nicht hochkommt, sind mir die Kosten durch das Warten zu hoch. Ich will nicht Recht behalten, ich will Geld verdienen. Deshalb ist Qualcomm rausgeflogen.
- Siemens Energy & Infineon: Siemens Energy hatte ich nur kurz. Da Powell Industries ($POWL) im Bereich Infrastruktur deutlich besser läuft, habe ich Siemens Energy konsequent durch Infineon ersetzt.

2. Investcase vor Hoffnung
Gute Aktien kann man auch zum falschen Zeitpunkt kaufen, wie ich bereits unter meinen Investmentansätzen festgehalten habe. Mein Umgang mit Nebius zeigt das deutlich: Die Aktie war kurz weg, und dann habe ich sie wieder gekauft, als das Timing passte. Eine Amazon hatte ich reduziert. Jetzt, wo die Firma wieder liefert habe ich die Amazon wieder aufgestockt. Palantir habe ich reduziert. Wenn sie wieder liefern, stocke ich gerne wieder auf. Das schützt meinen Gewinn. Damals bei Paypal war ich mal 300% im Plus. Ich habe damals zu lange daran Buy and Hold gemacht. Am Ende habe ich sie 2022 mit 80% Plus verkauft. Immerhin. Die Aktie fiel damals dann immer weiter. Das passiert mir nicht nochmal.
Damit hatte ich schon Erfolg in dem ich bspw. Cisco gegen Planet Lab getauscht habe. Oder Unilever damals gegen Palantir.
Ich kaufe jede Aktie gerne für die Langzeit, aber nur, wenn der Investcase noch steht und die Performance geliefert wird. Positionen, die nicht funktionieren – gerade wenn sie neu sind und sofort ins Minus laufen – kommen wieder weg. Das Risiko wird beachtet, nicht ignoriert.
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3. Fokus auf die echten Leader
- Nvidia: Bleibt mit 22,77 % mein Fundament. Ich halte den Gewinner, solange der Trend und Investcase steht.
- Micron ($MU): Mit 3,64 % neu an Bord. Apple jammert über hohe Speicherpreise – das war mein Signal, auf die Seite des Profiteurs zu wechseln.
- Space-Tech ($RKLB & $PL): Zusammen machen Rocket Lab und Planet Lab jetzt über 12 % meines Depots aus.
- Die Dividendenanker wie DBS, Munich Re und Enbdridge habe ich weiter ausgebaut. Hier plane auch in Zukunft diese Firmen noch größer im Depot zu machen.
Ich hatte Softwareaktien wie Samsara und Axon gekauft und noch im Dezember 2025. Hier stelle ich mich nicht gegen die Saascalypse, selbst wenn die Firmen liefern. Die Aktien können länger fallen, als ich liquide bleibe.
5. Pulver trocken halten
Mein Cash-Bestand liegt jetzt bei 7,28 %. Das ist meine Munition. Vorrangig möchte ich dieses Geld nutzen, um die besten Aktien im Depot weiter aufzustocken. Aber gerade die Neuen müssen sich jetzt anfangs beweisen.
Meine Performance bisher:
Die Turnover Rate ist entsprechend hoch. Die mittlere Haltedauer ist ein Jahr. Die neuen Aktien müssen jetzt funktionieren, damit ich meine alten Hochs knacken kann. Und ein Rücksetzer wegen den Energiepreisen ist möglich. Dann werde ich entsprechend reagieren. Das habe ich im April gemacht und konnte dank meiner Verkäufe gute Aktien kaufen und Aufstocken.


Mein Fazit
Mein Depot ist heute deutlich konzentrierter. Ich habe die lahmen Enten aussortiert und setze auf das, was wirklich läuft.
Das Setup steht. Jetzt wird geliefert. Und wenn nicht, fliegen die Aktien wieder raus. Es gibt zuviele Gute Aktien und es gibt keinen Grund mehr für mich an schlechten Aktien festzuhalten.🥂
Euer
Ahsen
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Jeder Anleger entwickelt sich weiter aber manchmal habe ich den Eindruck, dass die Tatsache, dass du sehr schnell und immer schneller Vermögen aufbauen willst gepaart mit dem Fakt, dass du seit geraumer Zeit kein frisches Kapital monatlich dem Depot zuführen kannst, weg vom langfristigen Investieren hin zum Trading führt.
Hmm klar es gibt ein paar Core Positionen, die weitgehend unverändert sind aber das Hin und Her, der Austausch von Positionen beschleunigt sich aus meiner Sicht irgendwie immer mehr.
Das ist definitiv deutlich mehr Trading als es noch langfristig orientiertes Investieren ist.
Schon viele Positionen, die mal kurz im Depot waren, haben sich seitdem sehr gut entwickelt. Analog Devices und wie sie alle heißen.
Ich sehe in dem Depot mit wenigen (nahezu irrelevanten) Dividendenwerten eigentlich nur noch Tech und AI. Von Diversifikation kann keine Rede mehr sein Klar die Sektoren laufen momentan gut aber diese Dynamik (der Investitionen) wird nicht ewig währen.
Wirst du dann erneut alles in defensivere Sektoren umschichten?
Wenn man sich dein Depot anschaut, könntest du im Grunde einfach den NASDAQ100 kaufen.
Da ist im Grunde fast alles drin, was im Bereich Tech und AI Rang und Namen hat. Der IZF dürfte dort auch höher ausfallen. Langfristig kaum zu schlagen.
Der Markt antizipiert Entwicklungen immer weit eher als es Privatanleger jemals können und daher laufen Trends und Aktien viel früher an, Bevor Privatanleger darauf aufmerksam werden und dann hinterher laufen.
Ich finde deinen Weg, den Ansatz und den Wandel wirklich spannend aber kann mich mit meiner Strategie damit nicht wirklich identifizieren da ich mich langfristig an Qualitätsunternehmen beteilige.
Aber das ist das Spannende an der Börse. 1000 Wege führen nach Rom und vielleicht funktioniert dein Versuch der Abkürzung ja.
Drücke die Daumen.
Danke für dein Feedback und die Daumen! Ich wusste, dass ich mit dem Vorwurf des ‚Tradings‘ konfrontiert werde, sobald ich die Schlagzahl erhöhe.
Aber für mich ist das kein Selbstzweck, sondern die Konsequenz aus meiner Lernkurve.
Ein paar Punkte dazu aus meiner Sicht:
Geld verdienen vs. Recht behalten: Ich bin von Firmen wie Qualcomm fundamental absolut überzeugt. Aber Fakt ist: Mein Geld war dort gefangen. Während andere Werte gelaufen sind, stand Qualcomm still. Ich will an der Börse nicht am Ende des Tages recht behalten („Ich wusste doch, dass sie gut sind“), sondern ich will, dass mein Kapital arbeitet. Wenn die Performance nicht zum Investcase passt, ziehe ich die Reißleine.
Was bringt es eine Axon zu halten wenn sie bis jetzt seit meinem ersten Einstieg um über 50% gefalllen ist? Ich bin mit größeren Beträgen drin.
Lieber behalte ich mein Geld als das ich es beim Schmelzen anschauen. Gerade jetzt wo die Beträge größer werden. Ich komme aus armen Verhältnissen. Ich weiß wie es ist kein Geld zu haben. Daher ist Schutz für mich wichtiger geworden, als das ich einfach hoffe das eieb Aktie schon wieder werden wird.
Die Sache mit dem Minus: Fakt ist auch: Mit meinen besten Aktien war ich fast nie im Minus. Die besten Aktien zeigen meistens keine Schwäche. Ich habe genug Beispiele im Depot gehabt, bei denen ich heute heilfroh bin, verkauft zu haben. Diese Aktien haben sich bis heute nicht erholt. Wer dort „langfristig“ investiert blieb, hat schlichtweg Kapital vernichtet oder Jahre an Zeit verloren.
Opportunitätskosten sind real: Du erwähnst Analog Devices. Ja, sie haben sich gut entwickelt. Aber im gleichen Zeitraum haben meine neuen Positionen eine Dynamik an den Tag gelegt, die ADI weit hinter sich lässt. Schau mal auf AMD. Schau auf Alphabet die ich wieder habe.
Cash als strategische Option: Ich habe heute auch kein Problem mehr damit, Cash liegen zu lassen. Früher fühlte sich das nach verpasster Chance an, heute weiß ich: Das ist meine Munition. Ich muss nicht immer voll investiert sein, sondern will bei echten Gelegenheiten massiv aufstocken oder neu einsteigen können.
Warum nicht einfach NASDAQ 100? Der NASDAQ ist ein Kompromiss. Er schleppt die 80 % „Beifang“ mit, die nur Durchschnitt sind. Ich konzentriere mich auf die 20 %, die den Sektor wirklich treiben. Ja, das ist weniger Diversifikation, aber es ist maximale Überzeugung. Wenn die Dynamik bei Tech nachlässt, werde ich umschichten. Ich bin nicht mit einem Sektor verheiratet.
Mein Fazit: Der Übergang vom ‚Investieren‘ zum ‚aktiven Management‘ ist für mich kein Abbiegen ins Zocker-Lager, sondern ein Schutz vor Stillstand. Ich warte nicht darauf, dass der Markt mir Recht gibt, während mein Depot stagniert. Ich folge der Stärke.
Spannend bleibt es allemal – danke für den Austausch! 🥂“
Wenn ich mich nicht irre, nennt man das Momentumtrading.
Hallo Matthias,
Momentum ist definitiv ein wichtiger Katalysator, aber es greift als Begriff etwas zu kurz. Reines Momentumtrading schaut oft nur auf die reine Kursbewegung, völlig abgekoppelt von den fundamentalen Daten. Momentum raus, Aktie raus.
Mein Ansatz kombiniert die relative Stärke (Momentum) mit harten fundamentalen Filtern (Wachstumsraten, Marktführerschaft, Skalierung) .
Der entscheidende Unterschied zum klassischen Trading: Ich halte die Gewinner extrem lange, solange der übergeordnete Trend und Fundamentals intakt ist. Das Ziel ist schlicht agiles, risikomanagtes Investieren mit einem klaren Blick auf die Opportunitätskosten, anstatt Underperformer stur auszusitzen.
Viele Grüße