In den Kommentarspalten auf X und hier im Blog wundern sich einige über die gestiegene Anzahl an Transaktionen in den letzten Monaten. Die Standard-Diagnose aus einer rein passiven Perspektive lautet dann schnell: „Das ist doch kein Investieren mehr, das ist reines Trading und Performance-Chasing!“
Meine Antwort darauf ist: Ja, das mag man im ersten Moment als Traden sehen. Aber in einem fokussierten Depot MUSS man Risiken aktiv managen, sonst zeigt einem der Markt verdammt schnell, wer der Chef im Ring ist. Und außerdem habe ich in den letzten Monaten final meine letzten großen Gewinner verkauft. Das führte zu mehr Transaktionen und hohe Betawerte sind bei der kürzlichen Korrektur unter die Räder gekommen.
Inhaltsverzeichnis
Zwei Welten: Breit gestreut vs. Fokus
Verstehen wir uns an dieser Stelle nicht falsch: Ein klassischer, breit gestreuter „Buy & Hold“-Ansatz ist nicht per se schlecht. Er ist einfach grundlegend anders.
Wer den Markt mit einem Welt-ETF oder einem sehr breiten Korb aus vielen verschiedenen Aktien abbildet, nutzt die Trägheit der Masse als Schutz. Wenn dort eine einzelne Position massiv einbricht, tut das dem Gesamtdepot kaum weh. Das ist ein absolut legitimes, passives System für ein völlig anderes Risikoprofil.
In meinem aktuellen Setup funktioniert das jedoch nicht mehr. Ich habe meine Strategie von der Gießkanne auf Fokus umgestellt. Ich konzentriere mich primär auf die Top Positionen (insgesamt wenige Werte). Bei einer solchen Konzentration gelten völlig andere Spielregeln:
- Kein Aussitzen: Ein hohes Minus ist hier existenzbedrohlich und wird niemals toleriert. Wenn der Trend bricht, entscheidet das System, nicht das Prinzip Hoffnung.
- Die High-Beta-Automatik: Wenn neue, hochvolatile Positionen ins Depot kommen, gibt es kein Händchenhalten. Zeigen sie nicht sofort relative Stärke, greifen die (Trailing)-Stops. Diese Titel fliegen vollautomatisch und augenblicklich wieder raus.
- Die Konsequenz: Genau hier entstehen die vielen Transaktionen der letzten Monate. Es ist das systematische, mathematische Aussortieren von potenziellen Blindgängern, um das Kapital für die echten Gewinner freizuhalten.
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Das Ampel-System: Technische Bestandsaufnahme, kein Market Timing
In diesem Zusammenhang müssen wir mit einem weiteren Missverständnis aufräumen: Mein Ampel-System ist KEIN Market-Timing-Tool.
Es dient nicht dazu, die Zukunft vorherzusagen, den Markt zu „timen“ oder den perfekt tiefen Einstieg zu erraten. Das wäre reines Kaffeesatzlesen.
Die Ampel macht etwas viel Wertvolleres: Sie bildet den aktuellen Ist-Zustand aus rein technischer Sicht unbestechlich ab. Sie zeigt mir glasklar, wo der Trend jetzt gerade steht. Sie ist das Diagnosewerkzeug.
Der Blick ins Cockpit: Leader laufen lassen, Risiken kappen
Wie dieses System in der Praxis arbeitet, zeigt der Blick auf mein aktuelles Setup. Das Verhältnis von offenen Gewinnen zu realem Risiko ist extrem asymmetrisch zu meinen Gunsten verschoben:
1. Die etablierten Kern-Leader
- Advanced Micro Devices (AMD): Verhält sich wie ein Lehrbuch-Leader. Die Position sitzt auf massiven Buchgewinnen. Hier gilt die reine Trendfolge-Lehre: Laufen lassen, solange die Struktur intakt ist.
- Infineon Technologies & Astera Labs: Beide Werte notieren deutlich im Plus und haben ihre relative Stärke im Markt unter Beweis gestellt. Sie laufen vollkommen planmäßig im Sinne der übergeordneten Trendfolge mit.
- Forgent Power Solutions: Notiert ebenfalls solide im Plus und läuft stabil im Depot.
2. Das kalkulierte Risiko unter strenger Beobachtung
- Rocket Lab Corp (RKLB): Eine klassische High-Beta-Rakete. Da hier bereits planmäßig Teilgewinne realisiert wurden, hat die Position Puffer. Aber die Unterstützung muss halten, sonst regelt der automatisierte Exit den Rest.
- 2G Energy AG: Die einzige Position, die aktuell im Minus notiert. Hier gibt es im System kein Schönreden und erst recht kein gefährliches Nachkaufen in fallende Kurse („Verbilligen“). Sobald der Wert das technische Exit-Signal auslöst, wird er ohne jede Romantik liquidiert.
3. Der Komplettverkauf: Das Unibap-Exempel
Ein gutes Beispiel für aktives Risikomanagement abseits von starren Regeln ist mein vollständiger Verkauf von Unibap.
Hier war der Plan simpel: Ich wollte bei diesem Microcap schnell einen komfortablen Gewinnpuffer aufbauen, um die Position danach entspannt atmen und laufen zu lassen. Da dieser Puffer aufgrund des Risikoprofils und der Marktlage ausblieb, stand ich vor einem Dilemma.
Bei einem marktengen Microcap sind automatische Orders brandgefährlich. Ein plötzlicher Liquiditätsengpass oder ein fetter Spread-Spike schießt dich per Stop-Loss zu einem miserablen Kurs raus oder sorgt für fatale Slippage. Die Alternative? Die Position manuell engmaschig zu überwachen. Aber das widerspricht komplett meinem Prinzip der Zeiteffizienz. Hier müsste ich dauerhaft selbst überwachen was der Kurs macht.
Die einzig logische Konsequenz des Systems: Komplettverkauf. Wenn der Puffer fehlt und automatische Absicherungen versagen würden, fliegt das Ding ohne Wenn und Aber aus dem Depot. Kapital gesichert, Fokus geschärft. Es war am Ende eine Nullnummer. Die Aktie bleibt aber auf der Watchlist.

Fazit: Die Maschine läuft von allein
Ich habe die emotionale Komponente komplett ausgelagert. Das ist der Weg den ich seit einiger Zeit beschreite. Wenn eine neue Position nicht performt oder das Risikoprofil wie bei Unibap meine kostbare Zeit auffressen will, wird konsequent liquidiert.
Ich investiere lieber Zeit in die Suche neuer Leader, statt auf HVs von toten Aktien zu gehen, um vom Kartoffelsalat dort zu berichten.
Euer
Ahsen
Hinweis: Wie immer keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Aktien sind mit Risiken behaftet. Ich bin in den genannten Aktien investiert oder war es gewesen.
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Ein Hinweis bzw. eine Bitte auch zum Schutz der eigenen Gesundheit, weil es das Geld schlicht nicht wert ist.
Wenn ich lese, dass hohe Verluste bei einer Position EXISTENZBEDROHEND sind, machst du so ziemlich alles falsch am Aktienmarkt.
Ist das mit deiner Frau abgestimmt?
An der Börse hat überhaupt kein Geld etwas verloren, das man in den nächsten 7-10 Jahren benötigt geschweige denn, mit dem man nicht temporäre Einbrüche von 30-50% durchstehen kann.
Dabei ist es völlig egal ob man 5 oder 100 Aktien oder ETFs im Depot hat.
Das Problem:
Du willst fokussiert investieren, hast aber offensichtlich nicht das nötige Mindset und die nötige Risikotragfähigkeit dafür.
GERADE bei hoch fokussierten Depots sind starke Drawdowns unumgänglich um den Markt schlagen und überdurchschnittliche Renditen erzielen zu können.
Die versuchst daher krampfhaft, jeden etwas stärkeren Drawdown zu umgehen.
Rendite kommt von Risiko. Das war immer so.
Bitte überdenke dein Vorgehen gut und wie erfolgversprechend dieses mit zunehmender Dauer und zunehmendem Alter ist.
Hi,
Wieder anderer Name. 🙂
Nein, das war allgemein gesprochen. Ich investiere nur das was ich verlieren kann.
Wir haben jetzt oft darüber gesprochen. Deswegen sage ich dazu nur, dass viele kleinere Verluste durch große Gewinne locker abgedeckt werden und es bei mir auch sind.
Focus Investing bedeutet für mich nicht bei High Beta Werten tiefe zweistellige Kursverluste auszusitzen. Muss man auch nicht.
Das Narrative, das hohe Gewinne von hohen Risiken kommen, kann ich so nicht bestätigen.
Gruß