Wer meine Analysen und Investments auf letmoneywork.de, X oder YouTube verfolgt, sieht regelmäßig Positionen, die nach definierter Haltedauer wieder aus dem Depot fliegen. Gleichzeitig werden bestehende Gewinner konsequent gewichtet oder bei echten Trendbrüchen eiskalt geschlossen.
In den Kommentarspalten führt das immer wieder zu derselben Diskussion:
„Warum verkaufst du schon wieder?“, „Einfach aussitzen, die Indizes stehen doch knapp unter Allzeithoch!“, „Kauf doch einfach einen MSCI World ETF.“
Um es ganz klar zu sagen: Ich bin kein reiner Indikator-Trading-Bot, der nur Striche auf Charts zieht. Mein Ansatz ist hybrid: Die Fundamentalanalyse (Geschäftsmodell, Bilanzen, Wachstum, Burggraben) entscheidet über den Einstieg. Das technische Risikomanagement und vordefinierte Exit-Cases entscheiden über das Überleben und die Gewinnsicherung.
Inhaltsverzeichnis
Die Grundregeln meines Systems
- Verliere niemals substanzielles Kapital
- Kein Verbilligen im Abwärtstrend: Schieße kein gutes Geld schlechtem Geld hinterher.
- Klare Exit-Cases durchsetzen: Gewinne werden gesichert, bevor die Korrektur sie auffrisst.
1. Der Index-Fehlschluss: Was unter der Oberfläche wirklich passiert
Aktuell hört man oft: „Die Depots und Indizes stehen doch nur 2 % unter Allzeithoch, wozu Exits?“. Das ist eine gefährliche optische Täuschung. Broad-Market-Indizes wie der S&P 500 oder der Nasdaq werden von einigen wenigen gigantischen Schwergewichten gestützt, während der S&P 500 in einer Seitwärtsphase konsolidiert.
Blickt man aber auf die Ebene der Einzelaktien und Highflyer, hat es in der jüngsten Marktphase massenweise Werte komplett zerrissen. Genau an dieser Stelle zeigt sich die Überlegenheit eines hybriden Systems mit konsequenten Exit-Cases:
| Aktie / Asset | Fundamentaler & Technischer Case | Ergebnis durch klares Risikomanagement |
| Astera Labs & Infineon | Highflyer mit starker Story, aber Überhitzung & Trendabschwächung. | Gewinne rechtzeitig gesichert: Exits haben massive Buchgewinne gerettet, bevor die tiefen Korrekturen einsetzten. |
| Rocket Lab & Planet Lab | Spekulative Wachstums-Cases, bei denen der Trend zerschossen wurde. | Rigoros gekappt: Konsequenter Ausstieg hat das Depot vor drastischen Verlusten geschützt. Viel Gewinn gerettet und reinvestiert! |
| AMD | Starker fundamentaler Case (KI/Rechenzentren), Position wird gehalten. | Position durchgezogen: Der Case steht, wird aber durch ein hartes Exit-Limit nach unten abgesichert. |
| Peloton, Tilray, Stabilus, Douglas | Typische Beispiele der Buy-&-Hold-Idee („Wird schon wieder“). | Bodenloser Absturz: Der Survivorship Bias blendet diese Kapitalvernichter systematisch aus. |
Der größte blinde Fleck vieler Mainstream-Ratschläge liegt in der Unterschätzung von Positionsgrößen. Viele Finanzblogger oder Social-Media-Kommentatoren halten Minipositionen im Depot – Beträge, die nach einem Buchverlust von 40 % oder 50 % problemlos innerhalb weniger Wochen durch das reguläre Monatsgehalt oder ein paar Sparraten wieder ausgeglichen werden können.
Wer so agiert, kann sich den Luxus erlauben, Verluste stur auszusitzen. Oder auch wenn man breit investiert ist und nur 2% maximal pro Position verlieren kann.
Mein überarbeiteter Ansatz auf letmoneywork.de basiert jedoch auf konzentrierten, signifikanten Positionsgrößen. Wenn hier eine Großposition 40 % ins Minus rauscht, sprechen wir über echte Summen, die sich nicht einfach durch zwei Sparraten kompensieren lassen. Hier geht es um Jahre an angespartem und gewonnem Kapital. Wer mit echtem Geld agiert, muss meiner Meinung nach sein Kapital aktiv und konsequent vor harten Drawdowns schützen.
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2. Fundamentale Stärke braucht technische Sicherheit
Eine Aktie wie AMD aktuell halte ich nicht aus blinder Hoffnung, sondern weil ich das Unternehmen, die Bilanzen und das Marktwachstum analysiert habe. Aber selbst bei fundamental herausragenden Firmen gilt: Kein Unternehmen ist immun gegen Marktkorrekturen.
Wer ohne Exit-Case agiert, gibt in normalen Korrekturen 30 %, 50 % oder mehr seiner hart erarbeiteten Gewinne wieder ab. Wer hingegen vordefinierte Exit-Cases nutzt, behält sein Kapital flüssig und schützt sich davor, Buchgewinne wieder komplett an den Markt zurückzugeben.
3. Konzentriertes Portfolio vs. Passives ETF-Sparen
Ein breiter Welt-ETF ist eine fantastische Lösung für den passiven Vermögensaufbau. Wer keine Zeit für Unternehmensanalysen hat, sollte genau das tun. Ich habe absolut nichts gegen ETFs.
Ich betreibe jedoch aktives, selektives Investieren. Mein Ziel ist es, das Portfolio auf die Top 4–5 Gewinner-Positionen zu konzentrieren und echten Führungswerten hohe Gewichtungen zu geben.
Wer Positionen mit 15 % oder 30 % im Depot gewichtet, muss das Risiko nach unten knallhart begrenzen. Ein ungeschützter Drawdown einer Großposition würde sonst die Performance ruinieren.
4. Der unterschätzte Re-Entry-Vorteil: Verkaufen ist kein Abschied auf ewig
Was von der lautstarken Buy-&-Hold-Fraktion fast immer übersehen wird: Ein Verkauf bedeutet keineswegs, dass man ein großartiges Unternehmen für immer aufgibt. Weil ich vor jedem Investment eine Fundamentalanalyse mache, kenne ich das Geschäftsmodell, die Zahlen. Ich muss beim nächsten Mal nicht wieder bei Null anfangen.
Der enorme Vorteil eines klaren Exit-Case ist: Ich muss keine schmerzhafte 50%-Korrektur im Depot aussitzen. Ich sichere mein Kapital, warte an der Seitenlinie ab und steige nach der Bodenbildung und Stabilisierung antizyklisch oder beim Re-Breakout wieder ein, wenn es denn eine gibt.

Fazit
Wenn Positionen bei mir geschlossen werden, ist das kein Zeichen von Unsicherheit oder reines Chart-Gezocke. Es ist das disziplinierte Zusammenspiel aus fundamentaler Selektion und eiskaltem Risikomanagement. Ich liebe keine Aktie – ich nutze fundamentale Chancen und sichere mein Geld und Gewinne rigoros ab. Das ist nicht neu. Das habe ich mit vielen meiner Gewinneraktien so gemacht, nur eben nicht so knallhart und mit klarem System wie jetzt.
Euer
Ahsen
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