Hallo zusammen,
die Tinte unter meinem letzten Depot-Beitrag war noch nicht einmal trocken, da hat der Markt auch schon genau das getan, wofür meine Sicherheitsmechanismen gebaut wurden: Er hat gedreht. Ich bin relativ entspannt, aber auch natürlich etwas aufgewühlt. Denn meine Positionen die sich noch nicht etabliert hatten, sind mit kleinerem Verlust alle Weg aus dem Depot.
Warum? Weil das System exakt so gewirkt hat, wie es soll. Es hat mich geschützt.
Inhaltsverzeichnis
Die LMW-Ampel lügt nicht: Warnstufe aktiv
Meine übergeordnete Marktampel hat ein unmissverständliches Signal geliefert und steht aktuell auf WARNSTUFE (NO TRADE). Die nackten Marktdaten lassen hier überhaupt keinen Spielraum für Interpretationen:
- Trendbruch: Der S&P 500 ist dynamisch unter die wichtige EMA21 gerutscht.
- Nervosität im Markt: Der Volatilitätsindex (VIX) ist schlagartig um über +11 % nach oben geschossen und hat die psychologische Marke von 20 Punkten erreicht.
- Sentiment: Der Fear & Greed Index ist tief in die Angstzone abgetaucht.
In genau so einem Umfeld trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer jetzt ohne Kompass unterwegs ist, wird gnadenlos rasiert. Für mich bedeutet dieses Signal jetzt erstmal Kaufverbot.
Ich werfe schlechtem Geld jetzt nicht gutes Geld hinterher.

Konsequente Umsetzung: Marvell ist sofort geflogen
Wie schnell und eiskalt mein Regelwerk greift, hat sich heute direkt in der Praxis gezeigt: Ich hatte Marvell als frische ersteTranche aufgenommen. Die Aktie hat den Trend im Zuge der Marktschwäche direkt wieder nach unten verlassen. Ich hätte gleich auf meine Ampel hören sollen. Also noch mehr als ohnehin schon. 😉
Das Resultat: Die Aktie ist heute umgehend und ohne jede Diskussion aus dem Depot geflogen.
Ich fange in solchen Momenten nicht an zu überlegen, ob das Unternehmen fundamental nicht doch toll ist, oder ob die Aktie „jetzt aber billig“ ist. Wenn die Exit-Regel greift, zieht das System die Reißleine. Genau das hat gewirkt: Der Verlust wurde klein gehalten, bevor nennenswerter Schaden entstehen konnte.
Und ein Vorteil ist, dass dei Verluste gegen die Gewinne dieses Jahr verrechnet werden, was mir noch Steuerrückerstattungen bringen wird.
Die Seitenlinie ist aktuell meine stärkste Position
Mein verbleibendes Depot ist für diesen Sturm wetterfest aufgestellt:
- Der Bärenanteil ist Cash: Der weitaus größte Teil meines Kapitals liegt komplett flüssig und sicher auf dem Konto. Dieses Pulver bleibt trocken. Es wird nicht angefasst, bis die Ampel wieder ein klares, stabiles Signal nach oben liefert.
- Keine heiligen Kühe: Meine Gewinner-Positionen (wie AMD oder Rocket Lab), bei denen ich auf großen prozentualen Buchgewinnen sitze, stehen natürlich unter strenger Beobachtung. Aber hier gilt mein eisernes Prinzip: Selbst die fliegen gnadenlos raus, wenn der Markt weiter absackt und meine mitschwimmenden Exit-Schwellen gerissen werden. Ich bin mit keinem Wertpapier verheiratet. Ich werde Buchgewinne nicht komplett wegschmelzen lassen.
- Die Wackelkandidaten korrigieren: Kleinere Positionen wie 2G Energy zeigen im aktuellen Umfeld Schwäche und nähern sich ebenfalls ihren systemischen Grenzen. Wenn sie gerissen werden, greift auch hier der automatische Schutz.
Fazit
Für mich heißt es ab jetzt: Füße stillhalten und absolut gar nichts tun. An der Börse wird man nicht für Aktivismus bezahlt, sondern für Disziplin. Nichts zu tun und an der Seitenlinie zuzusehen, wie sich der Markt austobt, erfordert oft deutlich mehr Nerven, als blind ins fallende Messer zu greifen. Aber genau dieses defensive Mindset sorgt dafür, dass das Kapital geschützt bleibt. Das ist bei den High-Beta-Werten die ich habe notwendig.
Euer
Ahsen
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Ich schätze deine Regeltreue und Konsequenz, Ahsen.
Und bei kleineren Positionen bzw. bei Positionen, die noch keine signifikanten Buchgewinne angehäuft haben, ergibt das m.A.n. definitiv Sinn. Je höher jedoch die Buchgewinne, desto höher wird der Steueranteil beim Verkauf und desto tiefer muss der Abschwung gehen, damit der damit verbundene Kapitalverlust ausgeglichen wird. Ich habe das kürzlich auf meinem Substack dargestellt.
Auch der bekannte Investor O‘Neil rät dazu, den besten Aktien „Raum zum Atmen“ zu lassen.
Verfolge weiterhin deinen Weg, weil ich deine Gedanken gut nachvollziehen kann und ähnlich mit meinen aktiveren Positionen unterwegs bin.
Und ganz unverzinst liegt das Dry-Powder ja sicherlich auch nicht auf dem Konto rum. 2,5 bis 4% p.a. auf dem Tages-/Verrechnungskonto sind ja mittlerweile wieder drin.
Hallo,
danke für deine Rückmeldung.
Ja, es ist wie es ist.
Ärgert mich, dass ich aus guten Aktien geflogen bin. Aber am Ende weiß man nicht wohin der Markt geht.
Mit den Aktien mit Polster bin ich ja dabei.
Eine Enbridge werde ich weiter aufstocken, so wie ich es geplant habe.
Aber stur Aktien halten ohne die Opportunitätskosten abzuwägen, ist für mich erstmal vorbei.
Und zusehen wie Aktiengewinne wegschmelzen, auch. Siehe Planet Labs.