Wer meinen Blog und meine Entwicklung der letzten Jahre verfolgt, weiß: Mein Depot war lange Zeit auf Absicherung getrimmt. So lernt man das nun mal in den gängigsten Büchern über das Investieren. Ich hielt rund 40 Titel im Portfolio. Das Problem war dabei nicht, dass ich die Unternehmen nicht verstand – ich kannte mich in den Werten und Branchen gut aus. Das Problem war die mathematische Logik dahinter: Das Depot-Setup passte schlichtweg nicht zu meinem Ziel.
Nvidia ist dafür das beste Beispiel. In meinem Hauptdepot stehe ich hier aktuell bei einem Plus von über 5.000 %. Ein gigantischer Wert, der mich definitiv vermögender gemacht hat. Aber er war – gemessen an dieser astronomischen Performance – nicht lebensändernd.
Inhaltsverzeichnis
Der Wendepunkt: Herbsturlaub 2023
Die Erkenntnis kam mir im Herbsturlaub 2023 beim Blick auf die nackten Zahlen. Ich hatte zwar die richtigen Trends identifiziert und die „Burggraben-Aktien“ frühzeitig im Depot, war aber bei den Titeln, deren Investment-Case voll aufging, einfach nicht stark genug investiert. Die massiven Gewinne der echten Champions wurden durch die schiere Masse an kleineren Positionen und die zu breite Streuung förmlich verwässert.
Seit Februar 2024 ziehe ich daraus die Konsequenzen und baue mein Portfolio seitdem radikal um:
- Fokus statt Gießkanne: Weg von 40 Titeln, hin zu einer konzentrierten Auswahl an echten Überzeugungstätern.
- Die „Gewinner-Skalierung“: Wenn die Zahlen (wie die Rule of 40 oder die operative Marge) bestätigen, dass der Case voll aufgeht, muss die Gewichtung folgen.
- Mut in der Korrektur: Mein Fehler bei Nvidia war, dass ich trotz der richtigen Analyse im alten „Sicherheits-Modus“ verharrt bin. Anstatt bei gesunden Rücksetzern aggressiv aufzustocken, habe ich die Position nur organisch wachsen lassen.
Risiko-Management: Konzentration ohne Leichtsinn
Natürlich ist „Focus Investing“ ein zweischneidiges Schwert. Wer konzentriert investiert, läuft Gefahr, dass eine einzige Fehlentscheidung das Depot massiv belastet. Man muss verdammt gut aufpassen, dass eine falsche Einschätzung einen finanziell nicht aus der Bahn wirft.
Aber: Wahre Sicherheit kommt nicht durch die schiere Anzahl der Aktien im Depot. Sie kommt durch die Qualität der Analyse und eine klare Strategie, wann man die Bremse drücken muss.
Für mein aktuelles Setup bedeutet das:
- Engmaschiges Monitoring: Bei einer hohen Gewichtung behalte ich die Kennzahlen (NRR, Cashflow-Margen, Backlog) noch präziser im Auge.
- Die Notbremse: Wenn sich die Fundamentaldaten oder der Burggraben nachhaltig verschlechtern, darf ich nicht emotional an der Aktie hängen. Fokus Investing erfordert die Disziplin, eine Position auch radikal zu reduzieren, wenn der Case bricht.
- Wissen als Schutzschild: Wahre Sicherheit entsteht dadurch, dass ich das Geschäftsmodell technisch so tief verstehe, dass ich Warnsignale erkenne.
Die Lektion für die Zukunft
Ich investiere heute nur noch dort, wo ich die technische Tiefe wirklich durchdringe – sei es bei Halbleiter-Infrastruktur, On-Device AI oder spezialisierter Logistik. Wenn ich sehe, dass ein Unternehmen operativ genau das liefert, was ich erwarte, werde ich in Schwächephasen nachlegen.
Ich akzeptiere das Risiko einer höheren Gewichtung, weil ich weiß, dass nur so Ergebnisse entstehen, die wirklich einen Unterschied machen. Qualität zu finden ist der erste Schritt – sie bei Rücksetzern mutig zu gewichten, ist der entscheidende zweite.
Mein Fazit: Ein Depot muss zum langfristigen Ziel passen. Wer lebensändernde Ergebnisse will, darf seine besten Pferde nicht nur im Stall stehen lassen – er muss sie reiten, wenn sie anfangen zu rennen.
Welche Aktie ich aus den Gründen aufgestockt habe, erfahrt ihr im nächsten Beitrag. Gerne den Newsletter dafür abonnieren.
Habt ihr euer Depot schon mal darauf geprüft, ob die Gewichtung eurer besten Aktien überhaupt ausreicht, um eure Ziele wirklich zu erreichen?
Bleibt investiert,
Euer Ahsen
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Hi Ahsen,
du sprichst häufig von Zielen.
Wie sehen diese bei dir denn konkret aus?
Soweit ich weiß, bist du ja „bereits“ in deinen 40ern und hast Familie.
Willst du ein bestimmtes Vermögen erreichen und das möglichst schnell (wer nicht :-)?
Und damit verbunden eine starke Outperformance gegenüber Benchmarks wie dem MSCI World, S&P500 oder Nasdaq100 erzielen?
Fokussierung und damit verbunden mehr Risiko kann sich natürlich auszahlen. Ob das langfristig so ist, ist die Frage zumal die ganzen Raketen wie Nvidia, Palantir und co. ja auch alle in den Indizes (hoch) enthalten und gewichtet sind.
Gerade im Algo- und KI Zeitalter gibt es ja kaum noch einen Wissensvorsprung vor dem Markt.
Dividenden / Cashflow stehen ja offensichtlich nicht in Fokus deiner Strategie zumal du ja auch häufig Positionen tauschst.
Vermutlich würdest du erst ab Vermögen X auf eine breiter diversifizierte, konservativere Depotstruktur und Strategie switchen?
Mir persönlich würde die Markttrendite von 7-10% p.a. ja schon reichen wobei mein Depot auch schon größer ist.
Das ist langfristig auch schon ein massives Compounding.
Ich gebe dir aber recht, dass man in die starken Werte im Depot ruhig mehr investieren sollte auch wenn sie ohnehin aufgrund der starke Performance immer mehr Gewicht bekommen.
Hallo Martin,
vielen Dank für deine kritischen und spannenden Fragen! Hier ist meine Sichtweise dazu:
KI-Zeitalter & Handeln: Wir stecken mitten in einem gewaltigen Umbruch. Aber egal wie smart die KI wird: Am Ende sind es unsere eigenen Handlungen, die den Unterschied machen. Analyse ist wichtig, aber die Disziplin, einen Plan auch in stürmischen Zeiten konsequent umzusetzen (oder die Notbremse zu ziehen), kann uns keine Maschine abnehmen.
Einzelaktien vs. MSCI World: Du hast völlig recht, die großen Player sind alle im Index vertreten. Der MSCI World ist ein hervorragendes Fundament für viele. Ich persönlich habe mich aber für einen fokussierteren Weg entschieden. Mit Werten wie Nvidia, Microsoft, Palantir oder Amphenol versuche ich, die Schwerpunkte dort zu setzen, wo ich das größte Potenzial sehe. Das ist mit mehr Arbeit und Risiko verbunden, aber bisher fahre ich damit deutlich besser als mit dem breiten Markt.
Hast du mein Mautstellen-Depot mitbekommen? Da fahre ich parallel wieder den ruhigen Weg. Das Hautdepot war einfach zu groß geworden für kleinere Sparraten.
Mein Weg zur Siebenstelligkeit: Mein Ziel ist ambitioniert: Ich möchte in den nächsten ca. 15 Jahren siebenstellig werden, ohne ständig frisches Kapital nachschießen zu müssen. Ich bin über 40 Jahre jetzt und will nicht nur ein großes Depot haben, sondern mein Leben auch einfach genießen. Das erfordert viel Geduld und die Demut, auch mal Fehler einzugestehen und Positionen zu korrigieren. Es geht mir nicht darum, den Markt „zu schlagen“, sondern mein persönliches Ziel durch Beständigkeit und Fokus zu erreichen. Etwas zu beherrschen was für viele bei uns als Unbeherrschbar gilt. Solange es von unten links nach rechts oben geht bin ich im Reinen mit mir.
Am Ende muss jeder den Weg finden, mit dem er nachts ruhig schlafen kann. Für mich ist es die Mischung aus tiefem Vertrauen in echte Leader und der nötigen Härte gegen mich selbst, wenn ein Plan mal nicht aufgeht. Dabei nutze ich die -20% Regel und betrachte Opportunitätskosten. Denn ich will ja nicht ständig frisches Kapital einsetzen.
Beste Grüße,