In der Welt der Finanz-Blogs und Vlogs hört man meist nur eines: „Kaufen, halten, nachschießen.“ Es wird oft als religiöses Dogma verkauft, bei dem das Verkaufen fast als Verrat gilt. Doch wer ein großes Vermögen nicht nur aufbauen, sondern auch erhalten will, muss eine andere Sprache lernen.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Arroganz des „Recht-habens“ besiegen
Der größte Feind des Investors ist sein eigenes Ego. Wir neigen dazu, uns in unsere Analysen zu verlieben. Doch der Markt hat keine Gefühle für deine Meinung. Wenn eine Aktie komplett gegen den Trend läuft – wie wir es aktuell bei Werten wie PayPal oder Novo Nordisk sehen –, ist es völlig egal, wie „gut“ der Case auf dem Papier aussah.
„Es ist nicht wichtig, ob du recht hast oder nicht. Wichtig ist nur, wie viel Geld du verdienst, wenn du recht hast, und wie viel du verlierst, wenn du falsch liegst.“ – George Soros
2. Dein Cash ist dein Werkzeug – Ohne Werkzeug keine Arbeit
Stell dir einen Handwerker vor, der zusieht, wie seine Säge zerbricht, und trotzdem weiter auf den harten Beton einhaut. Dein Geld ist dein Werkzeug. Wenn es weg ist, bist du handlungsunfähig.
Ich kann hier nur für mich sprechen: Mein Depot auf die Größe zu bringen, die es heute hat, war ein jahrelanger Prozess. Wenn ich Verlierer dauerhaft halten würde, würde es mich erneut Jahre kosten, nur um wieder dorthin zu kommen, wo ich aktuell stehe. Bei mir musste deshalb gerade eine Cloudflare gehen – mit knapp -22 % Verlust. Fast ein Viertel Wertverlust.
Natürlich kann die Aktie wieder drehen. Aber die Mathematik der Erholung ist unerbittlich: Wenn eine Aktie erst bei -50 % steht, muss sie um 100 % steigen, damit ich überhaupt wieder bei Null bin. Warum sollte ich darauf hoffen, wenn ich das Kapital in Werte stecken kann, die bereits bewiesen haben, dass sie laufen?
3. Die Illusion des „Nachschießens“ bei großen Depots
In der Anfangsphase kann man Fehler durch frisches Geld aus dem Gehalt „wegbügeln“. Doch ab einer gewissen Depotgröße hilft das monatliche Nachschießen kleiner Beträge nicht mehr weiter. Wenn dein Depot sechs- oder siebenstellig ist, entscheidet nicht mehr dein Sparplan über den Erfolg, sondern die Disziplin, mit der du die vorhandene Masse verwaltest. In diesem Stadium ist es Wahnsinn, „gutes Geld dem schlechten hinterherzuwerfen“ und eine Aktie mühsam zu verbilligen, während man die besseren Titel einfach aufstocken kann.
4. System statt Market Timing: Die Gewinner füttern
Echtes Risikomanagement bedeutet, das Kapital dorthin zu schieben, wo die Stärke ist:
- Stärke füttern: Ich habe aktuell Palantir und Planet Labs aufgestockt. Das sind Aktien, bei denen ich im Plus oder sogar weit im Plus bin und die zuletzt gute bis starke Zahlen geliefert haben.
- Flexibilität bewahren: In eine Alphabet bin ich nach einem Verkauf wieder eingestiegen, als das Signal passte. Bei Amazon habe ich Gewinne gesichert und stocke jetzt im Dip langsam wieder auf.
Natürlich, die ein oder andere Aktie habe ich verpasst, als sie sich erholt hat. Aber meine Gewinner haben das ausgeglichen.
5. Ein individueller Weg für volatile Märkte
Dieses Vorgehen ist mein System, angepasst an meine Situation und meinen Anlagestil in oft hochvolatilen Tech-Werten. Es ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss für jeden. Wer in defensiven Dividendenwerten unterwegs ist, die ich übrigens auch habe, oder einen ganz anderen Zeithorizont hat, für den mag ein anderes System Sinn machen.
Aber für mich gilt: Schutz des Geldes ist kein Zeichen von Feigheit, sondern die höchste Form der Disziplin. Wer sein Werkzeug pflegt und schützt, bleibt handlungsfähig.
„Ich habe mein Geld verdient, indem ich immer zu früh verkauft habe.“ – Bernard Baruch
Fazit: Am Ende gewinnt an der Börse nicht der, der am lautesten „HODL“ ruft, sondern der, der sein System konsequent durchzieht und am Ende des Tages noch Kapital zum Investieren hat.
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