Zwischen 2016 und 2023 bestand mein Portfolio phasenweise aus über 40 Einzelwerten. Die damalige Annahme: Breitere Diversifikation reduziert das Risiko. Die Realität: Ich habe mir ein zeitfressendes, ineffizientes und teures ETF-Imitat zusammengebaut.
In diesem Bestand lagen eindeutige Outperformer:
Frühe Positionen wie Nvidia (seit 2017 im Depot), Microsoft, Amphenol oder Palantir haben die wesentliche Performance geliefert. Auch in jüngerer Zeit haben Titel wie Rocket Lab, Planet Labs oder AMD gezeigt, welchen Hebel konzentrierte Positionen bei bieten können.
Das strukturelle Problem des überdiversifizierten Depots war die Verwässerung: Die Rendite der Gewinner wurde von trägen Beiläufern und seitwärts laufenden Positionen schleichend neutralisiert.
Die Konsequenz aus zehn Jahren Neuausrichtung in 2016: Schluss mit der Zersplitterung. Die Antwort ist ein System aus exakt sechs fokussierten Säulen mit einem roten Faden und getrennten Geldflüssen.
2026, nach 10 Jahren habe ich also wieder einen Neustart.
Man kann die Frage stellen: Mit dem Wissen und Erfahrung von heute, wie würdest du dein Depot aufbauen. Vermutlich wäre das was jetzt kommt die Antwort.
Inhaltsverzeichnis
Das Geldfluss-Regelwerk
Ein System funktioniert nur, wenn die Kapitalströme ohne emotionale Reibung organisiert sind. Deshalb gilt eine Trennung zwischen neuem und bestehendem Kapital:
- Frisches Geld (monatlicher Überschuss): Fließt ausschließlich per automatisiertem Sparplan in das Mautstellen-Depot (Säule 2), um Stück für Stück physische Realsubstanz aufzubauen.
- Vorhandenes Cash: Dient als eigenständige Basis. Aus diesem Pool wird der Welt-ETF schrittweise aufgebaut, er speist das Concentrated-Growth-Depot und nimmt Gewinne oder Cash-Exits wieder auf.
Die 6 Säulen der Vermögens-Architektur
Säule 1: Passives Beta – Die Makrolage als Start-Trigger & der Cash-Abbau
Ich habe jahrelang nach einem passenden ETF-Baustein gesucht. Die Realität am Markt war bisher ernüchternd: Entweder klassische Yield Traps mit bröckelnder Substanz oder ein extremes US-Klumpenrisiko mit mickriger Dividendenrendite.
Mit dem Welt-ETF (IE0005AJA0P1) L&G Global Quality Dividends scheint nun erstmals ein Instrument im Depot zu liegen, das Cashflow, regionale Gewichtung und Substanz vereint.
Aber: Der ETF wurde erst im November 2025 aufgelegt. In meinem System gibt es kein Vorschussvertrauen – das Produkt steht unter harter Beobachtung bezüglich Tracking-Differenz und Liquidität.

Warum genau JETZT der Einstieg aus dem Cash-Polster erfolgt (Die Makrolage):
- Das Makro-Umfeld deckelt die Märkte: Geopolitische Spannungen, klebrige (sticky) Inflation und hohe Energiekosten halten die breiten Indizes aktuell in zähen, schwankungsintensiven Seitwärtsspannen gefangen. Das habe ich auf Youtube und auch hier auf dem Blog thematisiert.
- Keine unüberlegten Einzelwert-Käufe: In einem solchen Seitwärtsmarkt breit gestreut Einzelaktien zu kaufen, bindet Kapital in Seitwärtsläufern („Dead Money“) oder setzt es unnötigen Rücksetzern aus. Untätiges Cash auf dem Verrechnungskonto verbrennt gleichzeitig durch die Inflation, auch wenn es aktuell natürlich Zinsen auf dem Konto gibt. Daher besteht kein zu großer Druck alles schnell zu investieren.
- Taktischer DCA-Einstieg: Genau jetzt schiebt ein erhöhter monatlicher DCA-Sparplan das vorhandene Cash schrittweise in den Welt-ETF. Das nutzt die Makro-Volatilität und Marktrücksetzer (Dollar-Cost-Average) aus, glättet den Einstiegspreis und bringt das Kapital ins Arbeiten – ohne das Timing-Risiko eines Einmalkaufs im unruhigen Umfeld.
Säule 2: Substanz-Anker – Mautstellen-Aktien als Realsachwerte
Ein ETF ist ein juristisches Bankprodukt zur effizienten Abwicklung von Marktbreite, kein physischer Sachwert. Wer physische Substanz im Portfolio verankern will, benötigt den direkten Eigentumsanspruch an realer Infrastruktur.
- Das Mautstellen-Depot: Selektion von Unternehmen mit monopolartigen Eigenschaften – Pipeline-Betreiber, Energienetze, Tank-Terminals oder Häfen und auch Software-Mautstellen.
- Exklusiver Empfänger für frisches Geld: Dieses Depot wird in einem getrennten Broker-Konto bespart und ist der einzige Zielort für mein monatlich neu erspartes Einkommen.
Säule 3: Concentrated Growth – Kapital-Konzentration
Hier gelten die Prinzipien meines Systems. Das Kapital konzentriert sich auf maximal 5 bis 10 Wachtumsaktien.
- Risikomanagement & Kapitalschutz: Je höher das investierte Kapital, desto relevanter wird der absolute Euro-Rücksetzer. Fünfstellige Drawdowns binden Kapital und belasten die Entscheidungsqualität. Das System kauft ausschließlich bei bestätigten Ausbrüchen und schneidet Verluste knallhart ab.
- Kein „Dead Money“: Bricht ein Trend oder läuft eine Aktie monatelang seitwärts, gilt der Investcase nicht mehr, wird die Position geschlossen. Das Kapital rotiert zurück in den operativen Cash-Pool. Betrieben und vergrößert wird diese Säule rein aus dem bestehenden Kapitalstock.
Säule 4: Krypto (Bitcoin)
Ein automatisierter Bitcoin-Sparplan bildet die digitale Absicherung außerhalb des traditionellen Finanzsystems. Unabhängig von Marktzykliker-Geschwätz läuft dieser Baustein als automatischer Wertspeicher stummschaltend im Hintergrund mit.
Säule 5: Edelmetalle (Euwax Gold 2)
Der Euwax-Gold-2-Sparplan (Ewax 2) stellt die physische Absicherung dar. Er dient als unkorrelierter Anker für Krisenszenarien und rundet die Sachwert-Basis ab.
Säule 6: Strategisches Cash
Cash ist kein Mangel an Ideen, sondern eine aktive Halteposition. Es schützt das Gesamtvermögen in Schwächephasen, liefert mentale Gelassenheit und stellt sicher, dass bei sauberen Ausbruchssignalen sofort Liquidität bereitsteht, ohne andere Säulen anrühren zu müssen.
Die 6-Säulen-Matrix im System-Vergleich
| Säule | Instrument / Baustein | Finanzierung & Geldfluss | System-Logik & Timing |
| 1. Passives Beta | Welt-ETF (IE0005AJA0P1) | Vorhandenes Cash (DCA-Sparplan) | Makro-Timing: Auf Bewährung, da erst seit Nov. 25 auf dem Markt. Cash-Abbau im schwankenden Makro-Seitwärtsmarkt. |
| 2. Substanz-Anker | Mautstellen-Aktien | Frisches Geld (monatlicher Sparplan) | Kein Timing: Kontinuierlicher Aufbau physischer Infrastruktur-Monopole im Zweitdepot. |
| 3. Concentrated Growth | 5–8 Top-Growth-Aktien | Vorhandenes Cash (Rotation & Re-Invest) | Kapitalschutz bei -Drawdowns, Exits bei Dead Money. Opportunitäskosten werden beachtet |
| 4. Krypto | Bitcoin | Automatisierter Sparplan | Digitaler Sachwert: Unkorrelierter Wertspeicher. |
| 5. Edelmetalle | Euwax Gold 2 (Ewax 2) | Automatisierter Sparplan | Physischer Anker: Sachwert-Absicherung. |
| 6. Strategisches Cash | Liquide Mittel | Erträge, Gewinne & Exits aus Säule 3 | Aktive Position: Flexibilität, Trockenes Pulver für Leader-Setups./ |

Live-Dokumentation statt Fake-Perfektion und Dividenden-Anästhesie
Mag sein, dass dieser Umbau und auch die letzte Vielzahl an Transaktionen für Außenstehende auf den ersten Blick hektisch wirkt oder wie „aus der Hüfte geschossen“ aussieht. Die Realität ist eine andere: Was du auf letmoneywork.de und meinem YouTube-Kanal siehst, ist kein poliertes Lehrbuch-Szenario, sondern eine echte Live-Dokumentation mit allen gedanklichen Übergängen, Fehlern und Systemevolution.
Versteht mich nicht falsch: Natürlich habe ich meine Gewinner gezeigt – Nvidia, Palantir, Rocket Lab – und verdammt nochmal, das hat gut getan! Es macht Spaß, Kursfeuerwerke zu feiern. Aber der entscheidende Punkt, den du im gesamten Finanz-Internet fast nirgends findest: Ich habe genauso konsequent und regelmäßig dokumentiert, wie viele Positionen ich mit kleinen oder wenigen Verlusten knallhart wieder verkauft habe.
Nahezu niemand berichtet auf X, Insta oder YouTube über die unspektakulären, disziplinierten Exits mit 3% oder 5% Minus. Das generiert keine reißerischen Klicks, zieht nicht die breite Masse an und lässt sich auf Social Media nicht schrill abfeiern. Man sieht aus wie jemand der nicht weiß was er tut. Dabei habe ich das ganze schon immer so ähnlich betrieben: Gewinner laufen lassen, Verlierer rauschmeißen. Nur eben nicht so rigoros.
Aber genau das ist die Transparenz, die mir von Anfang an wichtig war: Gegenüber mir selbst im Spiegel und gegenüber euch – meinen treuen Lesern und Leserinnen auf dem Blog und den Zuschauern auf YouTube, die diese Nische schätzen.
Die Dividenden-Anästhesie: Der teure Selbstbetrug am Markt
Ein Phänomen, das mir in der Community immer wieder begegnet, ist die sogenannte Dividenden-Anästhesie. Ein stetiger Verfall des Hauptwerts wird einfach ignoriert, weil quartalsweise ein paar Euro Dividende aufs Verrechnungskonto tröpfeln.
Das ist psychologische Betäubung für das eigene Ego:
- Man redet sich den Absturz schön und verweigert die Einsicht, dass der Invest-Case längst tot ist.
- Man schaut stur auf den Einzelwert, statt das Gesamtportfolio und das System zu betrachten.
- Man ignoriert die verheerenden Opportunitätskosten: Jeder Euro, der in einer abgestürzten Leiche gebunden ist, fehlt dort, wo echte Stärke herrscht.
Wer 4 % Dividende kassiert, während die Aktie um 30 % absackt, betreibt Kapitalvernichtung. Wer diese Schmerzen mit Ausschüttungen betäuben will und keine Exit-Strategie besitzt – bitte, wenn es zur eigenen Persönlichkeit passt. Zu mir und meinem System passt das definitiv nicht.
Fazit
Ich wollte den maximalen Hebel durch fokussierte Einzelwerte, aber gleichzeitig breites passives Beta nutzen – denn Time in the Market schlägt ständiges Market-Timing. Ich wollte Cash für echte Gelegenheiten auf der Kante haben, Kapital mit den richtigen Wachstumsaktien vermehren und mir stets bewusst bleiben: Einzelaktien sind reale Sachwerte, ETFs effiziente Bankprodukte.
Mit dem Welt-ETF als letztem Puzzlestück fügt sich das gesamte 6-Säulen-System endlich zusammen. Alle Anforderungen sind zurzeit abgedeckt.
Was sagt ihr dazu?
Euer
Ahsen
⚖️ Disclaimer & Risikohinweis:
Sämtliche Analysen, Strategien und Inhalte des Autors dienen ausschließlich der Information, Bildung und dem strategischen Austausch. Sie stellen keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Handeln dar.
Aktien, Kryptowährungen und Finanzinstrumente unterliegen hohen Risiken bis hin zum Totalverlust. Der Nutzer handelt vollumfänglich auf eigenes Risiko und eigene Verantwortung. Eigenständiges Risikomanagement, harte Exit-Regeln und die Vermeidung von emotionalen Entscheidungen liegen stets in der Verantwortung des Anlegers.
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