In den Kommentarspalten auf Social Media und hier im Blog wundern sich viele über die gestiegene Anzahl an Transaktionen in den letzten Monaten. Die Standard-Diagnose der Mainstream-Fraktion lautet dann schnell: „Performance-Chasing“.
Wer allerdings so argumentiert, hat nicht verstanden, wie sich mein Ansatz weiterentwickelt hat. Und die Beiträge der letzen Monate vielleicht auch nicht gelesen. Die Wahrheit hinter den vielen Transaktionen ist das Ergebnis einer bewussten Evolution: Der Wechsel von einem breit gestreuten Depot hin zu absolutem Fokus – kombiniert mit einer kompromisslosen, automatisierten Exit-Strategie.
Inhaltsverzeichnis
Die Evolution: Von der Gießkanne zum Fokus
Früher war ich breit gestreut aufgestellt. Wenn man 40 Aktien im Depot hat, ist es völlig legitim, ein Minus von 50 % einfach auszusitzen – es fällt schlicht nicht ins Gewicht.
Heute investiere ich fokussiert auf die Top Positionen. Bei einer solchen Konzentration ist das Aussitzen von tiefen Drawdowns finanziell tödlich. Deshalb habe ich mein Risikomanagement angepasst:
- Der Fokus-Ansatz: Wenige Werte, aber dafür die echten Leader
- Die High-Beta-Automatik: Wenn neue Positionen mit hohem Beta ins Depot kommen, gibt es keine Diskussionen oder emotionales „Händchenhalten“. Zeigen sie nicht sofort relative Stärke oder bricht der Trend, fliegen sie über den Stop-Loss vollautomatisch und augenblicklich wieder raus, weil kein Gewinnpuffer vorhanden ist.
- Die Konsequenz: Genau hier entstehen die vielen Transaktionen. Es ist das systematische Aussortieren von potenziellen Blindgängern, um das Kapital für die echten Gewinner freizuhalten und das verkaufen von den Aktien als ich noch über 30 Positionen hatte.
Automatisierung statt Bildschirm-Sklaverei
Trotz Fokus klebe ich nicht am Bildschirm. Warum? Weil das System die Entscheidungen übernimmt. Denn meinen Plan lege ich fest, bevor ich eine neue Position kaufe. Ein kurzer Regelmäßiger „Check“ reicht für weitere Anpassungen.
| Komponente | Realität in meinem Depot |
| Zeitmanagement | Läuft komplett im Hintergrund über automatisierte Screener, Stop-Buys und Trailing-Stops. |
| Cashquote | Aktuell bewusst hoch, weil ich bei den ganz großen Gewinnern planmäßig Profite mitgenommen habe. Das Pulver steht bereit. |
| Exekution | Mein System mit den u.a. Trailing-Stop entscheidet. Ich muss hier selbst überhaupt nichts mehr aktiv machen. |
Das Ampel-System: Technische Bestandsaufnahme, kein Market Timing
In diesem Zusammenhang muss ich mit einem grundlegenden Missverständnis aufräumen, das in den Kommentaren auftaucht: Mein Ampel-System ist KEIN Market-Timing-Tool.
Es dient nicht dazu, die Zukunft vorherzusagen, den Markt zu „timen“ oder den absolut perfekten Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu erraten. Das wäre reines Kaffeesatzlesen.
Die Ampel macht etwas viel Wertvolleres: Sie bildet den aktuellen Ist-Zustand aus rein technischer Sicht ab. Sie sagt mir nicht, was morgen passiert, sondern zeigt mir glasklar, wo der Trend jetzt gerade steht. Sie ist das Diagnosewerkzeug, mehr nicht.
Sektor-Rotation im Chart-Check: Halbleiter vs. Space-Aktien
Wie dieses System in der Praxis arbeitet, zeigt der aktuelle Blick auf den Markt. Während ein Sektor korrigiert, beweist der andere relative Stärke.
1. Die etablierten Tech-Leader: Halbleiter zeigen Haltung
Werte wie AMD ($AMD) oder Infineon ($IFX.de) halte ich schon relativ lange und fahre damit deutliche Gewinne ein. Sie haben sich ihren Platz im Fokus-Depot erarbeitet.
- AMD ($AMD): Verhält sich die Aktie wie ein Lehrbuch-Leader. Nach dem massiven Run sehen wir eine gesunde Base-Bildung auf hohem Niveau. Der Support bei ~420 – 430 USD hält, der übergeordnete Trend ist intakt und jeder Dip wird sofort aufgekauft.
- Infineon ($IFX.de): Zeigt ebenfalls Haltung. Der Support an der Unterkante bei 75 – 76 EUR wurde jüngst punktgenau gekauft, der Widerstand liegt bei 85 – 88 EUR.
2. Der Wackelkandidat: Die unbarmherzige Stop-Logik
Auf der anderen Seite bluten durch den aktuellen SpaceX Hype viele Luft- und Raumfahrtunternehmen.
- Rocket Lab ($RKLB): Die fundamentale Story ist aktiv, aber charttechnisch ist die Aktie massiv angeschlagen. Weil ich hier schon Teilgewinne realisiert habe, hat die Position etwas Puffer.
Aber: Die aktuelle Unterstützung MUSS halten.
Anstatt jetzt in den „Hoffnungs-Modus“ zu verfallen oder zu überlegen, was ich tun soll, greift auch hier das System. Die Trailing-Stops sind im Markt schon im Vorfeld platziert. Bricht die Unterstützung, fliegt ein Teil des Bestands automatisch. Danach steht ein kurzer Check an. Das wars.
Was glaubt ihr wie ich es geschafft habe eine volatile Aktie wie eine Nvidia 9 Jahre durchzuhalten? Damals war ich nicht ganz so systematisch, aber wo ich wann Teilgewinne mitnehme, Exit -Cases habe usw. ich vorher schon gewusst. Und damals war anfangs nicht der große Betrag investiert. Aber er wurde eben immer größer.
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Fazit
Die meisten Kommentatoren im Blog und Social Media verstehen offensichtlich schlicht nicht, was ich hier mache. Woher auch? Buy and Hold wird in der Szene als DER Standard verkauft. Sie suchen nach Stories, Meinungen und emotionaler Bestätigung für ihre „Buy & Hold“-Anlagen. Ich kann ihnen aber keine Bestätigung geben. Buy Hold mit Breit gestreut ist in Ordnung und ein guter Ansatz, um vom Markt zu profitieren. Ich werde ihnen aber keine Bestätigung geben, wenn sie für Analysen sogar bares Geld zahlen und an Aktien kleben die es nicht mal in zehn Jahren schaffen, den DAX outzuperformen und dies wohl auch absehbar nicht tun werden.
Buy and Hold ist eben nicht der heilige Gral für den er in der deutschen Community gehalten wird.
Es gibt andere Ansätze für andere Menschen, wie es bei fast allen Dingen der Fall ist. Und man kann tatsächlich mehrere Ansätze gleichzeitig fahren. Wer hätte das gedacht? So habe ich noch wenige Dividendenaktien die ich plane auszubauen. Auch hier erstmal Gewicht reinbringen, bevor es noch eine weitere Position gibt.
Ich versuche die emotionale Komponente komplett abzulegen. Wenn eine neue Position nicht performt, fliegt sie. Wenn ein Trend bricht, greift der Stop. Da spielt es keine Rolle, wieviel Analysearbeit ich reingesteckt habe oder was ich glaube wo die Aktie stehen sollte.
Ich muss nicht permanent Kurse checken und ich muss vor allem nichts mehr ständig aktiv entscheiden. Das System wird gepflegt durch regelmäßige Checks. Das wars. Das System regelt den Rest. Oder glaubt ihr ich habe aus Spaß „Systeminvestor“ geschrieben 😉
Euer
Ahsen
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