Eigentlich könnte (und sollte) man für Analysen und praxisnahe Lektionen dieser Art, wie ich euch heute zeige und erkläre, bares Geld verlangen. Da in der Community teilweise aber massive Diskrepanzen über systematisches Risikomanagement herrschen, gibt es diesen Deep Dive heute kostenlos. Ich nehme hierfür das jüngste Beispiel Planet Lab, welche ich jetzt nach 6 Monaten schon liquidiert habe.
Die Position bei Planet Lab wurde nach knapp sechs Monaten Haltedauer vollständig glattgestellt. Das Ergebnis ist eine realisierte absolute Performance von +66,75 %.
Inhaltsverzeichnis
Die Realität hinter dem „Compounding“-Mythos
Grundsätzlich halte ich Werte gerne so lange wie möglich – Stichwort: Compounding (Zinseszins). Die Realität ist jedoch: Nicht jede Aktie steigt für immer. Manche Papiere verharren teilweise Jahre in einem zermürbenden Seitwärtstrend oder fallen sogar ohne je wieder alte Höhen zu erreichen. Die Opportunitätskosten, die dadurch entstehen, sind brutal. Dies habe ich die letzten drei Jahre leidensvoll feststellen müssen.
Man mag es „Trendfollowing“ nennen oder wie auch immer. Aber ich beachte genau eins: Die Bewertung durch den Kurs. Denn der Chart und der aktuelle Kurs sagen nichts anderes aus. Der Rest ist einfaches Mathe. Narrative, News oder Earnings-Calls sind nur Rauschen – der aktuelle Kurs, und damit die Bewertung ist die aktuelle Wahrheit. Da kann ich glauben was ich will. Denn man kann auch mit seinen Annahmen lange richtig liegen und der Markt es ignorieren. Oder man liegt einfach falsch. Und nur wenige Investoren weltweit liegen mehr richtig als falsch.
Hier anzunehmen, dass ich besser bin als die besten Investoren der Welt ist überheblich und gefährlich.
Die Mathematik hinter dem Beta von 2
Planet Lab weist aktuell ein Beta von 2 laut Google Finance auf. Das bedeutet, die Aktie schwankt im Durchschnitt 2-mal stärker als der Gesamtmarkt (Benchmark: NASDAQ 100). Wenn man dieses Risiko in konkrete Zahlen für typische Marktphasen übersetzt, wird das Chance-Risiko-Verhältnis sofort deutlich:

- Szenario 1 (Kleine Marktbereinigung): Korrigiert der NASDAQ 100 um 10 %, bedeutet das für Planet Lab rechnerisch ein Minus von 21 % (2,1 × 10 % = 21 %).
- Szenario 2 (Normale, tiefere Markt-Korrektur): Geht der NASDAQ 100 in eine tiefere Korrektur von 20 %, schlägt das Pendel mit brutaler Härte aus. Rechnerisch droht hier ein Kursrückgang von 42 % (2,1 × 20 % = 42 %) vom zyklischen Hoch.
Wer eine Korrektur von 42 % aussitzt, vernichtet nicht nur real existierende Rendite, sondern blockiert sein Kapital monatelang. Bei einem fokussierten Ansatz sind die Opportunitätskosten dieses „Händchenhaltens“ oder Verliebt sein in die Aktie und eigene Analyse schlicht zu hoch. Zumindest für mich.
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Mein Investment-Framework
Um zu verstehen, warum dieser Verkaufs-Trigger ausgelöst wurde, hilft ein Blick auf das Regelwerk, nach dem ich mein System füttere:
- Das Fundament (Growth/Momentum): Die Basis bilden die Prinzipien von Jesse Livermore und der CAN SLIM-Methode. Ich kaufe relative Stärke (Leader, keine Nachkäufe im Abwärtstrend) und verkaufe konsequent, wenn der Trend bricht oder die Bewertung dem Wachstum davonläuft. Und das schon immer (siehe Die Idee). Nur jetzt noch konkreter nach Lehrbuch.
- Keine Emotionen: Ich bin in keine Position verliebt. Gewinne sichern bei Überhitzung und das strikte Vermeiden von großen Drawdowns hat absolute Priorität. So praktiziere ich das jetzt seit kurzem rigoros.
- Fokus & Cash-Management: Das Portfolio bleibt konzentriert auf die Top Positionen. Cash ist meine Reserve für Zukäufe. Aktuell habe ich viel Cash, weil ich mein System jetzt komplett umgestellt habe, während es die vorherigen Monate nach und nach umgestellt worden war. Es dauert eben, von 40 Positionen auf aktuell 10 bis 12 zu kommen.
Differenzierte Strategie: Mehr als nur Momentum
Mein Portfolio besteht nicht ausschließlich aus High-Growth-Titeln. Ich halte auch noch wenige Dividendenaktien. Diese will ich auch noch ausbauen. So habe ich Enbridge vor einiger Zeit ausgebaut. Hier ist die Unterscheidung jedoch essenziell:
- Dividenden sind ein Baustein, aber keine Garantie für die fundamentale Entwicklung eines Unternehmens.
- Dividendenaktien – genau wie Deep Value – folgen einem völlig anderen Ansatz als meine Growth-Leader. Diese Titel wähle ich bewusst nach anderen Kriterien aus, die zu meinen persönlichen Zielen und Umständen passen müssen. Man darf diese verschiedenen Disziplinen nicht vermischen; was für einen High Growth -Leader gilt, muss nicht zwangsläufig für eine Dividendenaktie gelten.
Eine Astera Lab aktuell hat ein Beta von 3! Korrigiert der Nasdaq also um 20%, was noch im Normalen Bereich ist, geht die Astera Lab auf Sinkflug mit -60%.
Wer hier mit Peanuts im Vergleich zum Rest Depots investiert ist, mag das gerne durchhalten. Aber ich will Wucht aufbauen. Und diese Wucht kann böse enden bei -60%. Und am Anfang habe ich keinen Gewinnpuffer.
Das Erfolgsmodell: Asymmetrie im Depot
Mein Depot ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis eines konsequenten „Gewinner laufen lassen, Verlierer kappen“-Ansatzes:
- Die alten Leader: Aktien wie Nvidia, Microsoft, Palantir, Amphenol, Droneshield oder Kraken Robotics waren lange meine Leader. Aktuell ist bei ihnen viel eingepreist.
- Die Verlierer: Alle anderen Positionen, die nicht die Entwicklung zeigen, werden bei kleinen Verlusten aussortiert. Diese Verluste sind lediglich die „Kosten des Geschäfts“, um sich in den Leadern positionieren zu können. Denn gerade am Anfang ist eine neue Position bei mir noch sehr kritisch.
Fazit
Der Verkauf sagt nichts darüber aus, ob das Unternehmen „schlecht“ ist. Er verhindert schlicht, dass ich den mühsam hochgefahrenen Fahrstuhl wieder nach unten nehmen.
Ist das eine Lösung für jeden? Nein!
Aber es ist aktuell mein Weg, da ich fokussierter und mit mehr Gewicht investieren möchte.
Wenn ihr mehr zum Thema Risiko wissen möchte, empfehle ich den Kahnemann
Das Buch ist auch gut für den Einstieg: „Risiko“ von Gerd Gigerenzer.
https://amzn.eu/d/04rIXnhV (Affliate)
Euer
Ahsen
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