In meinem Hauptdepot hat sich über die Jahre ein deutliches Übergewicht an Technologietiteln entwickelt – allen voran NVIDIA. Das ist durch die Marktentwicklung und zugegeben auch durch meine Handlungen der letzten Jahre fast zwangsläufig passiert. In diesem Umfeld haben monatliche Sparraten von 100 € kaum noch einen sichtbaren Effekt; die Summen gehen in der täglichen Volatilität der großen Positionen unter.
Deshalb starte ich ein separates Projekt. Ich möchte dokumentieren wie sich ein Depot entwickelt, das mit kleinen Beträgen bei Null anfängt.
Inhaltsverzeichnis
Die Strategie: Das „Mautstellen“-Konzept nach Buffett
Der Name des Projekts ist kein Zufall. Er lehnt sich an ein bekanntes Zitat von Warren Buffett an. Buffett sagte einmal, dass das ideale Unternehmen wie eine Mautbrücke (Toll Bridge) ist: Ein Unternehmen, an dem man zwangsläufig vorbeikommt und für dessen Nutzung man eine Gebühr entrichtet – egal, wie die allgemeine Wirtschaftslage gerade ist.
Anstatt auf das nächste große Tech-Wunder zu hoffen, kaufe ich hier Unternehmen, die physische oder digitale Infrastruktur besitzen, die für die Gesellschaft unverzichtbar ist.
Der Ansatz: Vier Titel, 100 Euro
Ich teile die Sparrate von 100 € monatlich auf vier Unternehmen auf. Das Ziel ist nicht der schnelle Kursgewinn, sondern der Aufbau einer Position in diesen „Mautstellen“:
- Hannover Rück (WKN: 840221): Als Rückversicherer ein Basis-Dienstleister für die gesamte Versicherungswirtschaft.
- RELX (WKN: A2JRLX): Ein Anbieter von Fachdatenbanken für Recht, Medizin und Wissenschaft. Das Geschäft basiert auf unverzichtbaren Abonnements (digitale Mautstelle).
- CK Infrastructure (WKN: A0M69E): Ein weltweit agierender Betreiber von Versorgungsnetzen (Wasser, Strom, Gas), gesteuert aus Hongkong.
- CLP Holdings (WKN: 863116): Der führende Stromversorger in Hongkong.
Die Mechanik hinter CLP: Das „Scheme of Control“
Für Leser, die Wert auf die fundamentale Analyse legen: CLP agiert in Hongkong unter einem spezifischen regulatorischen Rahmenwerk. Hier wird der Gewinn nicht primär durch den Stromabsatz, sondern durch die Nettovermögensanlage (Net Fixed Assets) bestimmt.
- Regulierte Rendite: CLP darf eine vertraglich festgelegte Rendite (derzeit etwa 8 %) auf ihr investiertes Sachanlagevermögen erzielen.
- Investitionsanreiz: Notwendige Investitionen in die Infrastruktur erhöhen die Anlagenbasis und damit auch den absolut erlaubten Gewinn.
- Kostentransparenz: Schwankende Brennstoffpreise werden über ein separates Konto direkt an die Verbraucher weitergegeben, was die Gewinnmarge des Unternehmens schützt.
Die digitale Wissens-Mautstelle RELX (ehemals Reed Elsevier) ist das perfekte Beispiel für eine moderne Mautstelle im Informationszeitalter. Das Unternehmen besitzt riesige Datenbanken für die Bereiche Wissenschaft, Medizin und Recht (z.B. LexisNexis). Wer als Anwalt einen Fall recherchiert oder als Mediziner auf die neuesten Studienergebnisse zugreifen muss, kommt an den Plattformen von RELX kaum vorbei.
Das Geniale: Über 80 % der Umsätze basieren mittlerweile auf digitalen Dienstleistungen, oft in Form von Abonnements. Das sorgt für extrem stabile, wiederkehrende Cashflows. RELX verkauft kein Wissen, das man „mal eben“ googeln kann, sondern zertifizierte, tiefgehende Datenstrukturen, die für die tägliche Arbeit der Kunden essenziell sind. Einmal im Workflow eines Großkonzerns oder einer Universität integriert, ist RELX praktisch unersetzlich bzw. es gibt hohe Wechselkosten.
Währungsraum und Cashflow
Ein Nebeneffekt dieses Depots ist die Diversifikation über verschiedene Währungsräume. Da die Unternehmen ihre Dividenden nicht in Euro festlegen, entsteht eine Währungschance (und ein entsprechendes Risiko):
- Britisches Pfund (RELX): Die Dividenden werden in GBP deklariert.
- Hongkong-Dollar (CLP & CKI): Der HKD ist eng an den US-Dollar gekoppelt.
Mein Cashflow ist somit direkt an die Entwicklung dieser Währungen gegenüber dem Euro geknüpft, was eine zusätzliche Streuung der Kaufkraft darstellt.
Auswahlkriterien: Effizienz und Risiko
Zwei Punkte waren mir bei der Auswahl wichtig:
- Quellensteuer: Um den Aufwand gering zu halten, habe ich Titel gewählt, bei denen keine ausländische Quellensteuer anfällt (Deutschland, UK, Hongkong). Die Dividenden fließen ohne Abzug ausländischer Steuern auf das Konto.
- Bewertung und Risiko: Während viele Tech-Werte sportlich bewertet sind, weisen die Titel in Hongkong aufgrund des politischen Umfelds historisch niedrige Bewertungen auf. Das Risiko einer politischen Einflussnahme aus Peking oder einer Änderung der regulatorischen Spielregeln ist real und lässt sich nicht unterschätzen. Ich habe mich dennoch entschieden, dieses Risiko in diesem kleinen, separaten Depot einzugehen.
Transparenz und Live-Verfolgung
Ich werde dieses Depot öffentlich führen, wahrscheinlich über ein Tool wie Parqet. Das erlaubt es mir, den prozentualen Fortschritt und die Dividendenentwicklung zu teilen.
Von Zeit zu Zeit werde ich auch die absoluten Zahlen nennen, um den Effekt der 100-€-Rate über die Jahre greifbar zu machen. Es ist ein Experiment in Geduld und Systematik.
Der Link zum Live-Portfolio wird in Kürze freigeschaltet. Wer als Erster Zugriff darauf haben möchte und die monatlichen Updates zu den Werten und Dividenden nicht verpassen will, sollte meinen Newsletter abonnieren. Dort werde ich den Link exklusiv zuerst veröffentlichen, sobald die ersten Sparpläne im Januar ausgeführt wurden.
Wie findet ihr das Experiment? Schreibt mir gerne in die Kommentare.
Ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Immer mehr Leser und Leserinnen abonnieren meinen Newsletter, der dich direkt über die neuesten Beiträge informiert. Abonniert ihn und verpasst keinen Beitrag mehr. Danke für eure Unterstützung und der Hilfe beim Wachstum der Community. https://www.letmoneywork.de/newsletter/
Entdecke mehr von LetMoneyWork.de
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
